FuG 7b — das BOS-Klassik-Funkgerät der 70er bis 90er
Portrait des FuG 7b als das prägende BOS-Hand- und Mobilfunkgerät der Bundespost-Ära von 1968 bis Mitte der 1990er, mit Sammler-Tipps.
FuG 7b — das BOS-Klassik-Funkgerät der 70er bis 90er
Wer in den 1980ern auf den Beifahrer-Sitz eines Streifenwagens, eines Löschgruppen-Fahrzeugs oder eines Krankentransport-Wagens stieg, hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein FuG 7b zur Linken — entweder fest verbaut als Mobil-Variante oder lose im Halterungs-Schacht für den Hand-Betrieb. Das Funk-Gerät prägte über knapp drei Jahrzehnte das Bild des deutschen BOS-Funks und ist heute eine begehrte Position in jeder ernsthaften Funk-Geschichts-Sammlung.
Technische Eckdaten
Das FuG 7b arbeitet im 4-Meter-Band zwischen 74,215 und 87,255 MHz in Schmalband-FM mit 20-kHz-Kanal-Raster. Die Sendeleistung liegt je nach Bauform unterschiedlich: Die Hand-Variante FuG 7b/1 schickt 0,5 Watt aus dem Akku-Block in die Antenne, die Mobil-Variante FuG 7b/2 liefert je nach Bestückung 6 bis 15 Watt aus dem 12-Volt-Bordnetz. Die Frequenz-Synthese läuft über Kanal-Quarze, die je nach BOS-Bundesland-Plan in 50 bis 300 Kanälen organisiert werden — eine Logik, die jedem späteren Trunked-System-Anwender fremd erscheint, weil sie jeden Kanal als physisches Bauteil im Gerät verortet.
Die Empfindlichkeit liegt typischerweise bei 0,5 Mikrovolt für 12 dB SINAD, die Selektivität im benachbarten Kanal bei etwa 70 dB — Werte, die für den damaligen Stand der Schmalband-FM-Technik als robust gelten und den Geräten im Einsatz-Alltag eine bemerkenswerte Ausfall-Sicherheit gegeben haben.
Eine Hersteller-Allianz aus der Bundespost-Zeit
Die Bundespost vergab das FuG-7b-Programm ab 1968 an mehrere Hersteller parallel — eine Zwei-Linien-Strategie, die Liefersicherheit und Wettbewerb gleichzeitig garantierte. Zentral waren SEL (Standard Elektrik Lorenz, später Alcatel-SEL) in Stuttgart und Bosch in Berlin und Hildesheim. Hinzu kamen AEG-Telefunken, die schweizerische Ascom und der dänische Hersteller Storno-Christian Rovsing, die alle nach den gleichen Bundespost-Spezifikationen fertigten. Die Gehäuse-Linien und die Bedien-Elemente unterscheiden sich in Details, das elektrische Verhalten der Geräte ist bewusst konvergent ausgelegt.
Die Geräte-Familie
Die FuG-7b-Reihe ist in drei Bauformen organisiert. Das FuG 7b/1 ist das Handsprechfunkgerät, gedacht für den Trupp am Mann, mit Wendel-Antenne und NiCd-Akku-Block am Geräte-Rücken. Das FuG 7b/2 ist das Mobil-Gerät für Einsatz-Fahrzeuge, fest verschraubt unter dem Armaturen-Brett oder im Fond-Bereich, gespeist aus dem Bordnetz mit nominell 13,8 Volt. Das FuG 7b/3 schließlich ist die Feststation für Wachen, Leitstellen und Stützpunkte, mit Tisch-Gehäuse und externem Netzteil.
Bedien-Element ist in allen drei Varianten der Kanal-Wahlschalter, ein massiver Dreh-Wähler in solider Mechanik, der auf der Frontplatte sitzt. Daneben liegen Squelch-Regler und Lautstärke-Drehknopf, gelegentlich ergänzt um eine Rufton-Taste und einen Sende-Schalter (PTT) am Mikrofon. Wer ein gut gepflegtes FuG 7b in die Hand nimmt, spürt die Bauphilosophie der späten 1960er sofort: tiefe Detents am Wähler, satte Schalt-Geräusche, ein Mikrofon mit metallenem Sprech-Gitter und eine Front, die jeden Sturz aus zwei Metern verzeiht.
Antennen und Stromversorgung
Die Mobil-Variante arbeitet typischerweise mit einer Reuse-Antenne (auch λ/4-Stab-Antenne genannt) von etwa 1,7 Meter Länge, magnetisch oder fest verschraubt auf dem Fahrzeug-Dach. Das Hand-Gerät trägt eine kurze Wendel-Antenne, die zwar dem theoretischen Strahlungs-Diagramm einer vollen Viertel-Welle nachsteht, dafür im Trupp-Betrieb deutlich praktischer ist.
Die Speise-Spannung liegt beim Mobil-Gerät bei 12 Volt Gleichstrom mit großzügiger Toleranz nach oben (typischerweise 10 bis 16 Volt), die Hand-Variante bezieht ihre Energie aus dem aufschiebbaren NiCd-Akku-Block. Im Originalzustand liefert dieser Akku bei einem frisch geladenen Stand etwa vier bis sechs Stunden Sprechfunk-Betrieb — Werte, die nach 30 Jahren Lagerung freilich kaum mehr erreichbar sind.
Die Auslauf-Phase und der Übergang zu TETRA
Mit den ersten Digitalfunk-Plänen Mitte der 1990er begann die langsame Verdrängung des FuG 7b aus dem operativen Dienst. Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen begannen ab 1995 mit dem schrittweisen Austausch, andere Bundesländer hielten bis weit in die 2000er an der bewährten Analog-Linie fest. Mit der bundesweiten TETRA-Migration ab 2007 verschwand das Gerät praktisch flächendeckend aus den Streifenwagen und Löschfahrzeugen — bis etwa 2010 waren die Bestände im aktiven Dienst weitgehend abgebaut.
Die Sammler-Szene heute
Was im operativen Dienst Vergangenheit ist, lebt in der Sammler-Szene fort. Die Ham Radio in Friedrichshafen, jährlich Ende Juni, ist der traditionelle Treff-Punkt: An den Flohmarkt-Tischen findet sich regelmäßig FuG-7b-Material in unterschiedlichen Erhaltungs-Zuständen. Funk-Geschichts-Vereine wie der GFGF (Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens) führen eigene Bestände und vermitteln Geräte an Sammler weiter. Auch der eBay-Markt liefert konstant FuG-7b-Geräte, allerdings mit stärker schwankender Qualität.
Die Preis-Range ist heute weitgehend etabliert: Ein gebrauchtes Hand-FuG-7b ohne Garantie kostet je nach Funktion 60 bis 150 Euro, ein Mobil-FuG-7b liegt zwischen 80 und 200 Euro. Restaurierte Sammler-Stücke mit gepflegtem Gehäuse, funktionierender Sende-Stufe und Original-Mikrofon können bis zu 350 Euro erzielen — vor allem dann, wenn Original-Unterlagen, Service-Anleitung und passende Antenne dabei sind.
Restauration in der Werkstatt
Wer ein FuG 7b in den Betrieb zurückholen will, beginnt typischerweise beim Akku-Block des Hand-Geräts. Die originalen NiCd-Zellen sind nach Jahrzehnten ohnehin defekt und durch NiMH- oder Li-Po-Zellen zu ersetzen — Letzteres mit angepasstem Lade-Regler und Schutz-Beschaltung. Die Kanal-Quarze sind heute schwer zu beschaffen; spezialisierte Anbieter aus dem Amateur-Funk-Umfeld liefern Sonder-Quarze auf Bestellung, alternativ lassen sich verbreitete Quarze aus anderen 4-Meter-Geräten umrechnen. Das Gehäuse profitiert von einer Pulverbeschichtung in seidenmatt-schwarz, die die typischen Kratzer der Einsatz-Jahre verschwinden lässt, ohne die Patina vollständig zu opfern.
Für den rechtssicheren Sende-Test gilt in Deutschland: Das 4-Meter-Band ist BOS-reserviert und für Amateurfunk grundsätzlich nicht freigegeben. Wer das Gerät senderseitig prüfen will, arbeitet mit einer 50-Ohm-Dummy-Load, misst Ausgangsleistung und Modulations-Hub am Mess-Empfänger und vermeidet jede Abstrahlung über die Antenne. Wer das Gerät im Sammler-Betrieb auf einer Amateur-Frequenz nutzen möchte, lässt sich die mechanische Anpassung von einem in Funk-Restauration erfahrenen Betrieb prüfen — der direkte Umbau auf das 6-Meter-Band oder das 2-Meter-Band ist je nach Geräte-Bestückung möglich, lohnt sich aber selten gegenüber einem Original-Erhalt.
Schaltungs-Architektur und Reparatur-Punkte
Wer ein FuG 7b geöffnet hat, findet die typische Schaltungs-Architektur der späten 1960er und frühen 1970er: einen Quarz-stabilisierten VCO als Frequenz-Aufbereitung, eine Mischer-Stufe mit Doppel-Trioden-Lösungen in den ältesten Baureihen, später konsequent mit Bipolar-Transistoren, eine ZF-Stufe um 10,7 MHz mit klassischen Keramik-Filtern und eine FM-Demodulator-Stufe mit Ratio-Detektor. Auf der Sende-Seite arbeitet ein modulierter Quarz-Oszillator über eine Treiber-Stufe in die Endstufe, die je nach Bauform mit einer Transistor-Kombination oder bei frühen Serien noch mit einer kleinen Endröhre realisiert ist.
Die häufigsten Defekt-Punkte in der Praxis sind die Elektrolyt-Kondensatoren auf der Versorgungs-Platine (typisch ausgetrocknet, gelegentlich aufgeplatzt), gebrochene Lötstellen an den Steck-Kontakten zwischen den Modul-Karten und korrodierte Schalter-Kontakte am Kanal-Wähler. Eine systematische Wartung beginnt mit dem vollständigen Tausch der Elkos auf Versorgungs- und ZF-Platine, fährt mit der Reinigung aller Schalter-Kontakte über Kontakt-Spray (mit Schmier-Anteil) fort und endet mit einer Frequenz-Genauigkeits-Prüfung am Frequenz-Zähler.
Wer die Endstufe nachmessen will, baut eine 50-Ohm-Dummy-Load an die Antennen-Buchse, schaltet einen HF-Tastkopf an das Oszilloskop oder einen Leistungs-Messer in die Leitung und liest die Ausgangsleistung bei nominellem Pegel ab. Die Modulations-Tiefe lässt sich am Spektrum-Analysator oder am Modulations-Mess-Empfänger verifizieren — typische Werte liegen bei einem Frequenz-Hub von etwa 3,5 kHz bei normaler Sprach-Lautstärke.
So bleibt das FuG 7b, was es seit knapp einem halben Jahrhundert ist: ein robustes Stück Funk-Technik, das die Bundespost-Ära des deutschen BOS-Funks verkörpert wie kaum ein zweites Gerät.