Kieler Funkschau
← Magazin 08. Juni 2026
Amateurfunk · 9 min

Lizenz-Klasse E — der Einstieg in den Amateurfunk

Prüfungs-Vorbereitung für die deutsche Amateurfunk-Lizenz-Klasse E mit Frequenz-Erlaubnis, Sendeleistung und DARC-Kurs-Empfehlung.

Lizenz-Klasse E — der Einstieg in den Amateurfunk

Wer in Deutschland zum ersten Mal an einen Transceiver setzen und legal auf Kurzwelle oder UKW senden möchte, kommt an der Klasse-E-Lizenz kaum vorbei. Sie ist seit der Einführung der heutigen Klassen-Systematik 1997 die klassische Einstiegs-Lizenz und steht seit der AFuV-Novelle 2024 zwischen der neuen Klasse N und der Vollzugangs-Lizenz Klasse A. Wer den Schritt sauber plant, hat etwa drei bis sechs Monate Vorbereitungs-Zeit, einen überschaubaren Lehrbuch-Stapel und am Ende ein Rufzeichen mit DG-, DH- oder DO-Präfix.

Das Klassen-System nach AFuV

Die Amateurfunkverordnung kennt seit 2024 drei Klassen. Die Klasse N (Novice) ist die jüngste Einsteiger-Lizenz und auf wenige Bänder mit reduzierter Sendeleistung von etwa 10 Watt PEP zugeschnitten. Sie senkt die fachliche Einstiegs-Hürde, deckelt aber auch die technischen Möglichkeiten deutlich. Die Klasse E sitzt eine Etage höher: 100 Watt PEP, eine breitere Band-Auswahl und damit echte Kontakt-Reichweiten quer durch Europa. Die Klasse A schließlich ist die Vollzugangs-Lizenz mit allen Amateurfunk-Bändern und bis zu 750 Watt PEP — sie verlangt aber den anspruchsvolleren Prüfungs-Teil Technik.

Für die meisten Einsteigerinnen und Einsteiger, die mehr wollen als ein paar Ortsverbindungen, ist Klasse E die pragmatische Wahl. Sie liefert Zugriff auf das 80-Meter-Band (3,5 bis 3,8 MHz), Teile des 40-Meter-Bandes (7,0 bis 7,2 MHz), das 15-Meter-Band (21,0 bis 21,45 MHz), das 10-Meter-Band (28,0 bis 29,7 MHz) sowie die UKW-Bänder 2 Meter (144 bis 146 MHz) und 70 Zentimeter (430 bis 440 MHz). Damit sind sowohl Kurzwellen-DX bei guten Ausbreitungs-Bedingungen als auch Relais-Betrieb über die örtliche FM-Infrastruktur abgedeckt.

Was die BNetzA im Prüfungs-Raum erwartet

Die Prüfung nimmt die Bundesnetzagentur an ihren Außenstellen ab — typische Standorte sind Hannover, Mülheim, Karlsruhe und München, dazu die zentrale Bonner Liegenschaft am Tulpenfeld. Geprüft wird in drei Teilen, alle drei laufen als Multiple-Choice. Im Teil Technik geht es um Schwingkreise, Modulations-Arten, Sender- und Empfänger-Stufen, dazu Antennen-Grundlagen wie Lambda-Halbe-Dipol, Strom- und Spannungs-Verteilung sowie SWR-Begriff. Der Teil Betrieb deckt Q-Gruppen wie QRG (Frequenz), QRM (Störung) und QSY (Frequenz-Wechsel) ab, dazu RST-System, Logbuch-Pflichten und die Ablauf-Choreografie eines CQ-Rufs. Der Teil Vorschriften prüft AFuG, AFuV, Frequenzzuweisungsplan-Verordnung und die EMV-Pflichten der Funkamateurin oder des Funkamateurs.

Pro Teil stehen rund 25 Fragen aus dem offiziellen BNetzA-Fragen-Katalog, der online abrufbar ist. Die Bestehens-Grenze liegt bei 75 Prozent richtigen Antworten pro Teil — wer einen Teil verpatzt, kann ihn binnen Frist nachholen, ohne die anderen Teile zu wiederholen. Die Prüfungs-Gebühr liegt 2026 bei rund 110 Euro für die Klasse E und ist vor dem Termin zu überweisen.

Lehrbücher, die seit Jahrzehnten den Standard setzen

Das Standard-Werk für die Klasse-E-Vorbereitung ist seit 2007 der „Amateurfunk-Lehrgang Klasse E” von Eckart Moltrecht, DJ4UF. Die 2023 erschienene Neufassung berücksichtigt die novellierten Frequenz-Bereiche und die aktualisierten BNetzA-Fragen. Moltrecht arbeitet didaktisch in kleinen Schritten, vom einfachen Schwingkreis über Mischer-Stufen bis zur Stehwellen-Berechnung, und hat in den vergangenen knapp zwei Jahrzehnten ganze Generationen von Klasse-E-Absolventinnen und -Absolventen durch die Prüfung geleitet. Wer parallel ein Nachschlage-Werk sucht, findet im „Rothammel” (Antennenbuch in der aktuellen 14. Auflage) und in den Heften der CQ DL die passenden Ergänzungen.

Der Deutsche Amateur-Radio-Club bietet bundesweit Vorbereitungs-Kurse an, in der Regel über zwölf bis sechzehn Wochen mit insgesamt rund 40 Lehr-Stunden. Viele Ortsverbände kombinieren Theorie-Abende mit praktischen Mess-Übungen am NanoVNA oder am Stations-Transceiver. Seit 2020 ergänzt der DARC-Online-Lehrgang die Präsenz-Kurse: Er verlegt einen Großteil des Stoffs in Video-Lektionen und betreute Selbstlern-Module, was besonders für Einsteigerinnen und Einsteiger ohne lokalen Ortsverband attraktiv ist.

Vom bestandenen Zeugnis zum Rufzeichen

Mit dem Bestehens-Zeugnis in der Hand folgt der Rufzeichen-Antrag bei der BNetzA. Klasse-E-Lizenzen bekommen seit 2003 das Präfix DG, seit 2017 zusätzlich DH, daneben besteht das ältere DO-Präfix fort, das viele Klasse-E-Inhaberinnen und -Inhaber aus den frühen 2000ern bis heute führen. Die Bearbeitungs-Zeit liegt bei etwa vier Wochen. Wer mag, kann ein persönliches Suffix-Wunschrufzeichen angeben, sofern es noch frei ist — der BNetzA-Rufzeichen-Plan ist online einsehbar.

Der erste eigene CQ-Ruf folgt einer eingespielten Choreografie: Frequenz hören, ob sie frei ist, gegebenenfalls QRL? fragen, dann mit „CQ CQ CQ de DG7XXX DG7XXX” rufen. Antwortet ein Gegenüber, gibt man Rapport — typischerweise im RST-System mit drei Ziffern für Lesbarkeit, Signalstärke und Klangcharakter — und tauscht Standort sowie Stations-Konfiguration aus. Auf 2 Meter über das örtliche Relais lohnt sich vorher ein Blick auf die Relais-Liste, denn jedes Relais hat eigene Sub-Audio-Töne (CTCSS) und Eingaben.

Wer technisch den Schritt zu Klasse A plant, sammelt am besten parallel zur frischen Klasse-E-Lizenz Praxis: Bandwacht, eigene Antennen-Experimente am Dipol, Logbuch-Disziplin und gelegentliche Contest-Teilnahme. Der Aufstieg zur Klasse A ist mit derselben Außenstelle und nur dem Prüfungs-Teil Technik (Niveau A) möglich — Betrieb und Vorschriften bleiben angerechnet. Die Klasse E ist insofern kein End-Punkt, sondern eine sehr solide erste Etage in einem Hobby, das technische Tiefe, internationale Kontakte und Notfunk-Relevanz gleichermaßen anbietet.

Praktische Schritte vor der ersten QSO

Zwischen Rufzeichen-Bescheid und der ersten echten Verbindung liegen ein paar pragmatische Schritte, die im Lehrbuch oft nur am Rand auftauchen. Erstens: das Logbuch. Auch wenn die AFuV kein bestimmtes Format vorschreibt, ist eine saubere Dokumentation jeder Verbindung mit Datum, UTC-Zeit, Frequenz, Sendeart, Rufzeichen der Gegenstation und ausgetauschten Rapporten gute Praxis und im Streitfall — etwa bei einer Störungs-Untersuchung — der einzige belastbare Nachweis des Stations-Verhaltens. Klassische Papier-Logbücher werden zunehmend von Software-Lösungen wie Log4OM, DXLab oder dem schlanken Open-Source-Werkzeug CQRLOG abgelöst, die zugleich die Bestätigungs-Karten-Logik (QSL) über das DARC-Büro oder das LoTW-System der ARRL abwickeln.

Zweitens: die Stations-Antenne. Für den Klasse-E-Einstieg auf Kurzwelle reicht in vielen Garten-Situationen ein gespeister Dipol für das 40-Meter-Band, ergänzt um eine Vertikal-Antenne für die höheren Bänder. Bei beengten Verhältnissen liefert eine End-fed-Halbwelle (EFHW) mit 49:1-Übertrager einen erstaunlich praktikablen Kompromiss aus Aufbau-Höhe und Mehrband-Tauglichkeit. Für 2 Meter und 70 Zentimeter reicht eine Dachboden-Vertikal mit Mantelwellen-Drossel am Speise-Punkt — gerade in Miet-Wohnungen die einzige umsetzbare Variante.

Drittens: das Stations-Konzept. Ein typisches Klasse-E-Setup besteht aus einem Allmode-Transceiver der Mittel-Klasse — etwa Icom IC-7300, Yaesu FT-DX10 oder Kenwood TS-590SG — einem Netzteil mit mindestens 25 Ampere Dauerbelastbarkeit, einem Antennen-Tuner für nicht ganz resonante Strahler und einem Standard-Headset für längere Sprech-Sessions. Wer auf Digital-Modi wie FT8 oder FT4 setzt, ergänzt die Kette um ein USB-Audio-Interface oder direkt um die im Transceiver integrierte USB-Soundkarte.

Mit dieser Grundausstattung, einer aktuellen Band-Plan-Übersicht und etwas Geduld an den Bändern ist der Klasse-E-Einstieg in den deutschen Amateurfunk eine Sache von wenigen Monaten — vom Lehrbuch über die Prüfung bis zur ersten DX-Verbindung in die USA, nach Japan oder in den Pazifik.


Ressort: Amateurfunk